Vitamin K2: So kommt Kalzium an den richtigen Ort
Kalzium gehört in die Knochen, nicht in die Gefäße. Wie Vitamin K2 dabei hilft, was Matrix-Gla-Protein damit zu tun hat – und warum die Form MK-7 zählt.
Das Wichtigste in Kürze
- Vitamin K2 aktiviert Eiweiße, die Kalzium in die Knochen lenken – und aus den Gefäßwänden fernhalten.
- Das wichtigste davon heißt Matrix-Gla-Protein (MGP), der stärkste bekannte Hemmstoff gegen Gefäßverkalkung im Körper.
- Die Form MK-7 bleibt besonders lange im Blut und wurde mit 180 µg täglich über drei Jahre untersucht.
- Wer Marcumar oder andere Vitamin-K-Antagonisten nimmt, muss vorher mit dem Arzt sprechen.
Kalzium kennen die meisten als Baustoff für Knochen und Zähne. Weniger bekannt ist: Kalzium kann auch dort landen, wo es nicht hingehört – in den Wänden der Blutgefäße. Ob es an der richtigen Stelle ankommt, hängt stark von einem Vitamin ab, über das lange kaum jemand gesprochen hat: Vitamin K2.
Vitamin K1 und K2 – nicht dasselbe
„Vitamin K“ ist eigentlich eine Familie. Vitamin K1 steckt in grünem Blattgemüse und wird vor allem in der Leber für die Blutgerinnung genutzt. Vitamin K2 (Menachinon) kommt dagegen in fermentierten Lebensmitteln vor – etwa in Hartkäse, Sauerkraut oder dem japanischen Natto – und wirkt stärker im übrigen Körper: in Knochen und Gefäßen.
In der typischen westlichen Ernährung ist die K2-Zufuhr eher gering. Natto, die mit Abstand reichste Quelle, steht hierzulande selten auf dem Speiseplan.
Wie K2 Kalzium an den richtigen Ort bringt
Vitamin K2 arbeitet nicht direkt mit Kalzium, sondern schaltet zwei körpereigene Eiweiße „scharf“:
Matrix-Gla-Protein (MGP) sitzt in der Gefäßwand und bindet dort freies Kalzium, bevor es sich ablagern kann. Ohne genug Vitamin K2 bleibt MGP inaktiv – es ist zwar vorhanden, kann aber nicht arbeiten.
Osteocalcin wird in den Knochen gebildet und hilft, Kalzium in die Knochenstruktur einzubauen. Auch dieses Eiweiß braucht Vitamin K2, um aktiv zu werden.
Kalzium gehört in die Knochen – nicht in die Gefäße. Vitamin K2 ist der Wegweiser.
Was Studien zeigen
Rotterdam-Studie: In dieser großen Beobachtungsstudie mit rund 4.800 Teilnehmenden hatten Menschen mit der höchsten K2-Zufuhr über die Ernährung deutlich seltener schwere Verkalkungen der Hauptschlagader und ein geringeres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Wichtig: Eine Beobachtungsstudie zeigt einen Zusammenhang, keinen Beweis für Ursache und Wirkung.
Drei-Jahres-Studie mit MK-7: In einer placebokontrollierten Studie aus den Niederlanden nahmen gesunde Frauen nach den Wechseljahren drei Jahre lang täglich 180 µg Vitamin K2 als MK-7 ein. Ihre Arterien wurden im Vergleich zur Placebogruppe messbar elastischer.
Ehrlich eingeordnet
Offiziell zugelassen ist für Vitamin K, dass es zur normalen Blutgerinnung und zur Erhaltung normaler Knochen beiträgt. Die Forschung zu Gefäßen ist vielversprechend, aber noch nicht abgeschlossen.
Warum MK-7?
Vitamin K2 gibt es in mehreren Formen. Die zwei bekanntesten sind MK-4 und MK-7. MK-7 hat einen großen Vorteil: Es bleibt mehrere Tage im Blut, während MK-4 nach wenigen Stunden wieder abgebaut ist. Dadurch reicht eine Einnahme pro Tag für einen gleichmäßigen Spiegel.
K2, Vitamin D und Knoblauch
Vitamin D sorgt dafür, dass mehr Kalzium aus dem Darm aufgenommen wird. Vitamin K2 hilft dann, dieses Kalzium an den richtigen Ort zu bringen. Deshalb werden die beiden oft zusammen genannt.
Mit gereiftem Knoblauchextrakt ergänzt sich K2 aus einem anderen Grund: Der Knoblauch-Wirkstoff SAC wird für die Weite und Elastizität der Gefäße untersucht, K2 für die Kalziumverteilung. Zwei Ansätze, ein gemeinsames Ziel – gesunde Gefäße.
Für wen ist K2 nicht geeignet?
Vitamin K2 ist für die meisten Erwachsenen gut verträglich. Eine wichtige Ausnahme: Wer Vitamin-K-Antagonisten wie Marcumar (Phenprocoumon) oder Warfarin einnimmt, darf Vitamin K nur nach ärztlicher Absprache ergänzen, weil es die Wirkung dieser Medikamente abschwächen kann. Neuere Gerinnungshemmer wirken anders – trotzdem lohnt sich ein kurzes Gespräch mit Arzt oder Apotheke.
Fazit
Vitamin K2 ist kein Trend, sondern ein Baustein, den der Körper braucht, um Kalzium richtig zu verteilen. Achte bei einem Präparat auf die Form MK-7 und eine klare Dosierung in Mikrogramm – und kläre die Einnahme ab, wenn du Blutverdünner nimmst.
Quellen
Geleijnse JM et al. Dietary intake of menaquinone is associated with a reduced risk of coronary heart disease: the Rotterdam Study. Journal of Nutrition. 2004;134(11):3100–3105.
Knapen MHJ et al. Menaquinone-7 supplementation improves arterial stiffness in healthy postmenopausal women. Thrombosis and Haemostasis. 2015;113(5):1135–1144.
Schurgers LJ et al. Vitamin K–containing dietary supplements: comparison of synthetic vitamin K1 and natto-derived menaquinone-7. Blood. 2007;109(8):3279–3283.

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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise.



